Landshaag Bergrennen – Jimpimps Road Racing Event!

Unser Martin Danzinger zieht weitere junge Hoffnungen mit sich auf den Berg. Er selbst konnte dieses Jahr leider nicht teilnehmen, weil sein Motorrad starke Schäden erlitten hat und seine Entscheidung, die für ihn unbekannte Team-Fireblade als Ersatzmotorrad abzulehnen war, angesichts der Wettergegebenheiten sicherlich eine weise Entscheidung.
Lesen Sie den Bericht von Jimpimp, wie er sein aller erstes Rennen, und zwar sofort das schnellste Bergrennen Europas empfunden hat.

Bergrennen Landshaag – Mein erstes Rennen

Bereits seit einigen Jahrzehnten veranstaltet der MSC Rottenegg ein Bergrennen welches das Prädikat „Europameisterschaftslauf“ trägt. Es handelt sich hierbei um eine Serie von fünf Bergrennen wobei in Landshaag begonnen wird. Der Lauf zählt auch zur Österreichischen Motorrad Bergsport Staatsmeisterschaft. Insgesamt wurden in diesem Jahr 258 Fahrer administrativ und technisch abgenommen.

Manche haben sich sicher gefragt wie man auf die Idee kommen kann bei so einem Rennen, dem schnellsten Bergrennen in Europa, teilzunehmen. Kein Kiesbett, keine Auslaufzonen, schlechter Asphalt, Straßenschäden und Schlaglöcher. Trotzdem Geschwindigkeiten von teilweise 300 km/h. Jemand hat mich mal gefragt ob ich eigentlich vor hätte mich umzubringen, erst dann konnte ich mir die Frage selbst beantworten: Ich mache mit um zu Leben! (Und weil Martin gesagt hat, dass es saumäßig Spaß macht!!)

Mein Motorrad

Nach quälend langer Suche und gefühlt einhundert Gesprächen mit Rookies und Veteranen des Motorradsports habe ich mich im Februar für die Yamaha R6 RJ11 entschieden. Bis auf die GFK-Rennverkleidung, die als offensichtliche Veränderung auch für einen Laien zu erkennen ist, wurde die R6 noch mit einem Hyperpro Lenkungsdämpfer, einer kürzeren Übersetzung, GSG- Moto Sturzpads und einer Finne ausgestattet. Technisch befindet sich sonst alles in Originalzustand.

Daher habe ich mich für die Klasse „Superstock 600“ angemeldet, in der übrigens Stefano Bonetti, eine absolute Größe des Motorrad-Straßen-Sports teilnahm und das Rennen schließlich auch für sich entscheiden könnte. Man hat es hier mit Legenden dieses Sports zu tun, mit Weltmeistern!!!!!

Für alle, die damit jetzt nichts anfangen können ein Fußballvergleich:
Das ist so, als würdet ihr zusammen mit Lionel Messi auf dem Rasen stehen!

Die Anreise

Bevor es überhaupt los ging wurde leider alles durch einen schweren familiären Verlust getrübt. Ich wollte eigentlich schon alles hin schmeißen aber wurde dann von Familie und Freunden motiviert. Unter dem Motto „Besser später dort als garnicht“ sind Felix und ich dann gegen 17:00 Uhr am Freitag Mittag los gefahren.
Um 23:15 Uhr kamen wir dann endlich an und wurden herzlich von Karl Heinz und einer Flasche Ramazotti begrüßt. Wir kamen dann erst gegen 3:00 Uhr morgens ins Bett. Der Rest ist Geschichte

Samstag – Training Day

Bereits um 7:00 Uhr (nach einer unruhigen vierstündigen Nacht) stehen wir auf und ich bin um Punkt 8:00 Uhr in einer gefühlt 5 km langen Schlange vor der technischen Abnahme. Auf den zweiten Versuch komme ich dann endlich durch.

„Achtung Fahrerlager, Achtung Fahrerlager, Doppelstarter bis Startnummer 50 an den Vorstart kommen.“
Mir wird bewusst dass es los geht, ich werde nervös, schließe die Augen und gehe die Strecke nochmal durch. Mir gehen tausend Gedanken durch den Kopf „Bist du eigentlich völlig bescheuert? Fährst ein Rennen mit einem Motorrad, dass du seit Kauf gerade einmal eine Stunde gefahren bist? Auf einer Strecke, die du dir einmal kurz angeschaut hast und eigentlich nur von Videos kennst!“ Mir ist schlecht. Der Schlafmangel, der Stress der letzten Tage und der Verlust setzen mir zu. „Erstmal chillen im ersten Trainingslauf!!!“

„Achtung Fahrerlager, Achtung Fahrerlager, Fahrer bis Startnummer 160 an den Vorstart kommen.“
Felix und ich ziehen die Reifenwärmer ab und lassen das Motorrad von den Montageständern ab, ich rolle an den Start.

Meine Augen werden weit. Was ist das??? Keiner da?! Ich werde sofort an den Start gewunken, die Ampel steht schon auf Orange. Blinkt. Ich drehe am Gas. 7.000 Umdrehungen pro Minute. Grün!

Ein perfekter Start, das Hinterrad quietscht ganz kurz beim los fahren, die erste Kurve ist in Sicht. Blackout!!! Alles was ich mir durch Videos und Gespräche an Streckenführung angeeignet habe ist weg. Ich fahre wie der erste Mensch.
Auf der ersten Geraden verschalte ich mich. Viel zu langsam kommt der Wald näher. Gefühlt schräglagenfrei quäle ich mich durch die Kurven und komme auf die zweite Gerade. Vollgas, mit über 200 km/h um die „Hauskurve“, der Schaltblitz blinkt um sein Leben. Vorletzte Kurve. Ich sehe die Markierung eines Schlaglochs auf dem Boden. Der Lenker flattert, ich bin direkt über die Markierung gefahren.
„Der Lenkungsdämpfer leistet gute Arbeit“ denke ich, kurz bevor er in der letzten Linkskurve nochmal ordentlich was zu tun bekommt. Noch ein paar hundert Meter bis zum Ziel, ich gehe hinter meinem Windschild in Deckung und versuche nochmal alles raus zu holen. Ziel! „Oh man, das war ja mal überhaupt nichts“ denke ich mir und bremse ab.

Mein Blick fällt auf den Trauerflor den ich auf meine Gabelbrücke gepinnt habe. Ein kurzes Augenblinzeln. Ich schaue nach oben.
„Yessss!!!“ Ein kurzer Freudenschrei und die Faust geht nach oben!

1:33:646 steht auf der Zeittafel!

Jimpimp beim Bergrennen Landshaag-St. Martin-Rottenegg

Ich denke an Martin, aus seinem Bericht weiß ich, dass er bei seinem ersten Mal hier 1:32 gefahren ist (mit einer Suzuki GSX-R 1000) und mit dem Wissen dass ich meinen Lauf gefühlt völlig versaut habe keimt Hoffnung auf!
Das kann ich tausend mal besser!!! Dass die 30er Marke im nächsten Lauf fallen wird ist mir fast sicher! Oben angekommen wird mir gesagt dass ich auf diese Zeit beim ersten Lauf meines Lebens in Landshaag mehr als Stolz sein kann. Das Motiviert!

Nachdem alle Fahrer oben angekommen sind werden wir wieder abgeholt, beim runter fahren stehen hunderte Menschen am Straßenrand, klatschen, winken, zeigen mit dem Daumen nach oben.
Was für ein unbeschreibliches Gefühl. Ich bin überwältigt! Ein Zuschauer hält seine Hand auf die Strecke. Wir klatschen uns ab!

Unten angekommen ist die Stimmung super, Felix umarmt mich, er ist Stolz auf mich! Auch die Anderen klopfen mir auf die Schulter.

Kurz bevor meine Gruppe zum zweiten Start aufgerufen wird fängt es an zu Regnen,
nach ca. 1 km ist alles auf der Strecke nass. In diesem Moment hat noch kein
Fahrer Regenreifen auf seinem Motorrad. Ich möchte nichts riskieren und halte mich zurück.

1:43:334 zeigt die Zeittafel nach dem Lauf an. Ich kann mich im Vergleich zu den Anderen sogar noch verbessern: Platz 30 von 42 Startern.

Der Trainingstag ist vorbei, ich bin zufrieden und der Wetterbericht für den Rennsonntag verheißt gutes.

Sonntag – Das letzte Training

Eine Stunde bevor mein Wecker klingelt wache ich auf, der Blick fällt auf den Vorhang unseres Hotelzimmers. „Sieht hell aus“ denke ich mir und drehe mich nochmal um. Leider eine Fehleinschätzung.

Den dritten Trainingslauf verpassen wir fast, da durch den Regen viele Fahrer nicht starten und ich viel früher dran bin als gedacht. Ich möchte testen ob ich auch ohne Regenreifen Gas geben kann.
Mit dem Metzeler K3 allerdings unmöglich, der Hersteller selbst rät davon ab den Reifen bei Nässe zu fahren. Ich bin nur am Rutschen, es entsteht absolut kein bisschen Grip. Hauptsache oben! (An der Stelle sollte erwähnt sein, dass der K3 für Landshaag allgemein ungeeignet ist – Wieder was gelernt!)

Sonntag – Das Rennen

Die Straße trocknet, ich schöpfe Hoffnung. Felix macht sich auf den Weg den Berg hoch um mich zu filmen während ich im Zelt noch ein Paar On-Board Videos von „Heli“ anschaue. Dann kommt die Durchsage, dass die Strecke trocken ist und die Starter bis 100 werden an den Start gerufen. Ich bin alleine, es ist fast ein bisschen still um mich als die ersten Regentropfen den Boden benetzen.

Plötzlich fängt es richtig an zu schauern, ich bin stinksauer und feuer meinen Helm in die Ecke. Ich gehe durchs Fahrerlager und spreche mit ein paar anderen Fahrern. Keiner will ohne Regenreifen starten. Einige packen schon zusammen und gehen. Ich bin mir immer noch unsicher, rufe Felix an und bitte ihn nochmal um Rat. Thomas, als alter Veteran des Bergrennens fährt nicht und verbietet auch seinem Schützling den Start. Man erklärt mir dann plötzlich dass Landshaag absolut nicht für Anfänger sei und man eigentlich mehr Erfahrung haben muss. Ich spare es mir zu erwähnen, dass das mein erstes Rennen ist. Ich laufe zurück zum Zelt und beginne mich umzuziehen.

„Achtung Fahrerlager, Achtung Fahrerlager, Fahrer bis Nummer 160 an den Vorstart kommen!“

„Scheiß drauf, ich muss es versuchen!“ denke ich und stehe dann als einziger Starter ohne Regenreifen am Vorstart.

Die Ampel blinkt wieder gelb, ich erhöhe die Drehzahl. Grün! Was ist jetzt los? Ich komme nicht weg. Der Hinterreifen dreht durch und ich rutsche zur Seite weg.
Gas reduzieren! Es geht langsam hoch.

In der ersten Kurve wieder ein Rutscher beim beschleunigen, der Reifen dreht in der Kurve durch und ich muss die Maschine abfangen. Die erste Gerade kommt, Bodenwelle mit 170 km/h, der Reifen dreht wieder durch. Eine schnelle Linkskurve.
Der Motor heult auf und dreht in den Begrenzer.
„Du hast die Kupplung geschrottet“, denke ich mir in dem Moment, da die Drehzahl sekündlich Sprünge von 8.000 Umdrehungen nach oben macht. Dass ich permanent beim Gas geben die Reifen zum durchdrehen gebracht habe war mir da noch nicht klar! Dann kommt der Wald, die Kurven, die man schon im trockenen mit Vorsicht zu genießen hat und jetzt ist alles voller Pfützen und Rinnsale. Ich nehme Geschwindigkeit raus. Nur nicht stützen denke ich und komme auf die zweite Gerade, ich gebe nochmal alles und komme unbeschadet oben an. Selbst jetzt war ich nicht Letzter in meiner Klasse!

Meine Stiefel und die Lederkombi sind voller Wasser. Ich steige ab und laufe zwischen den Motorrädern umher. Kein einziger Sportler ohne Regenreifen. Ich werde ungläubig angeschaut.

Als es dann bei der Rückführung der Fahrer einen erneuten Wolkenbruch gibt wird mir klar, dass es einfach zu gefährlich wird! Unten angekommen wird mir erzählt dass mit einem der Gewinner in Landshaag ein Interview geführt wurde und er darauf hingewiesen hat man sollte es verbieten Fahrer ohne Regenreifen bei so einem Wetter starten zu lassen. Er hat recht! Es gibt nichts mehr zu überlegen, der zweite Rennlauf fällt für mich flach!

Fazit

Eigentlich gibt es nichts zu meckern. Ich kann stolz zurück blicken auf Trainingszeiten, mit denen keiner gerechnet hat!!! Noch nie habe ich in so kurzer Zeit so viel lernen können und ich weiß jetzt, dass ich nie mehr ohne Regenreifen nach Landshaag komme, egal wie toll der Wetterbericht aussieht!

Von ursprünglich 44 Startern in meiner Klasse haben nur 27 das Rennen bestritten. Die Anderen waren, wie ich, ohne Regenreifen gekommen! Trotzdem habe ich den ersten Lauf bestritten und nicht gekniffen!

Gewertet wurde ich wegen meines Abbruchs zwar nicht, aber ich sehe 2014 in Landshaag als Training für das Jahr 2015. Ich werde wieder kommen und möchte dann das Rennen im Mittelfeld beenden!

Ich danke allen, die mich unterstützt und motiviert haben!
Ganz besonderen Dank an Felix, Karl Heinz, Thomas, Bernd und Martin!

Beste Grüße
Jimpimp

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